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Das Presbyterium überarbeitet zur Zeit das Leitbild der Kirchengemeinde!
Die Denklinger Kirchengemeinde hat sich der Aufgabe gestellt, Tradition und Innovation ineinander wirken zu lassen.
Kommen Sie herein! Die Tür steht tagsüber immer offen. Sie
betreten die helle Kirche Denklingens und finden auf einem kleinen Tisch eine
Flasche Wasser und ein Glas. Nehmen Sie das Angebot zur Erfrischung wahr.
Spüren
Sie die Helligkeit, betrachten Sie das Zusammentreffen von Altem und Neuem.
Helle Holzstühle im Kontrast zum alten Dekor der Boden- Fliesen. Hängelampen
aus Aluminium, überwölbt vom klassischen Tonnengewölbe. Historische
Pfeifenorgel – moderne Funkmikrophone. Klassische Liedanzeige – asymmetrische
Projektionswand für Liedfolien. Dimmbare Deckenlichter in der Gebetsecke – Öl- Dochtlampen
auf dem Israelleuchter (Chanukka-Leuchter) mit seinen neun Stelen. Und ruhig,
gelassen und erhaben der Abendmahlstisch und die Kanzel.
Wertebewusstsein und neue Ausdruckskraft
Alles, was
Sie umgibt, kann Sie unmittelbar ansprechen. Der Abendmahlstisch mit seinen
drei Einzeltischen verweist auf den dreieinigen Gott. Die Tischplatten als
angedeutete Schalen verweisen auf unsere Sehnsucht: Wir kommen als Bedürftige
zu Gott und werden beschenkt. Die Kanzel – als Harfe stilisiert – verweist
darauf, was hier zu Gehör kommen soll: ein Lobgesang auf Gottes
Menschenfreundlichkeit. Die Kanzel schwebt nicht wie früher leicht über der
Gemeinde. Denn der Prediger gehört zu den Menschen, ist einer von ihnen und nicht
einmal der beste, gescheiteste oder gläubigste.
Auch in den Fenstern der
Kontrast zwischen Wertebewusstsein und neuer Ausdruckskraft: Die Fenster in der
Nordwand mit traditionell unifarbenen Ornamentglas von 1903.
Die von der Wiehler Künstlerin Luise Theill
1996 entworfenen Fenster im Chorraum sind geprägt von mit einer „durchfließenden“
Thematik: Links die Rettung aus der Sintflut, in der Mitte das siegreiche
Opfer-Lamm in einer Träne, rechts die Schar der Erlösten unterwegs zur Quelle
des Lebens. So hat sich die Denklinger Gemeinde 1996 bei der Kirchenrenovierung
deutlich der Aufgabe gestellt, Tradition und Innovation ineinander wirken zu
lassen. Was ist von der Tradition zu erfahren?
Evangelische Kapelle mit katholischem Altar
Schlendern Sie dafür den Hang hinab
zur historischen St. Antoniuskapelle. Diese frei stehende Kapelle gehört zum
Ensemble der Burg mit Amtshaus, Torbau (mit Gefängnis!), Mauern, den
Wassergräben und dem Teich der alten Zwangsmühle. Das geduckte Gotteshaus ist
dem Heiligen Antonius geweiht. Es war ursprünglich Morsbach/Odenspiel
unterstellt. 1573 wurde in Odenspiel die Reformation eingeführt, ab 1576 hatten
die dortigen Katholiken kein Gotteshaus mehr. 1662 gestatteten aber die
Denklinger Lutheraner den Katholiken die Mitbenutzung der kleinen Kapelle. Aufgrund
des starken Andrangs und der guten Gemeinschaft$ baute man 1693/94 gemeinsam
ein neues Gotteshaus – die heutige Kapelle. Fast 200 Jahre – bis 1880 – wurde
sie ökumenisch als „Simultaneum“ genutzt. 1894 wurde Denklingen eine
selbständige evangelische Gemeinde und die Evangelischen bauten ihre eigene Kirche, die im November 1903 eingeweiht wurde.
Seit ihrer Gesamtrenovierung im Jahr 1957 wird auch die Antoniuskapelle etwa
bei Trauungen wieder gottesdienstlich genutzt. Im Grundriss ist die
Antoniuskapelle eine rechteckige Saalkirche, 15,60 Meter lang und 6 Meter
breit, aus Bruchsteinen gebaut und weiß verputzt. Der kleine Kirchturm ist als
Dachreiter mit Zwiebelhelm gegliedert. Die erste Glocke aus dem 16. Jahrhundert
trug die Inschrift „O JHESUS MARIA“. Sie wurde im 1. Weltkrieg
eingeschmolzen. Die Empore war ursprünglich in Hufeisenform, sie trägt die
kleine Pfeifenorgel mit einem fünfseiligen Prospekt und seitlichen
Pfeifentürmen. Die Kanzel aus dem Ende des 17. Jahrhunderts ist der Odenspieler
Kanzel nachempfunden. Das ursprüngliche Tabernakel war als drehbare Nische
gebaut – heute ist es festgeschraubt, genau wie der aus Elfenbein geschnitzte
Christus im Auferstehungsgestus. Die beiden Altarbilder, eine Immaculata und
der Hl. Antonius als Eremit, sind ausgelagert. Genießen Sie dieses ökumenische
Ensemble – eine schlichte, evangelische Kapelle mit
„katholischem“ Altar!
Mögen Sie noch einmal zur Kirche schlendern? Dann kommen
Sie vorbei an dem neuen achteckigen Gemeindehaus, gehen auf das Bistro-Haus zu und
sehen am Hang hinter der Kirche das lang gestreckte Jugendhaus. Es wurde in
Eigenleistung errichtet. Hier arbeiten der CVJM, die offene Jugendarbeit und
die Kirchengemeinde Hand in Hand. A propos Eigenleistung: 1978 wurde der
Fußboden der Kirche „ausgekoffert“ und nach Einbau einer Heizung mit neuen
Fliesen im alten Look verschönert. Nur drei Jahre später trugen die
Gemeindeglieder 290.000 DM zusammen für eine neue Orgel!
Im Aufbruch
Dr. Hans Horn hat in seiner Geschichte der
Evangelischen Kirchengemeinde (1983) mit Respekt und Feingefühlig die
Leidenschaft und geistliche Klarheit der Väter- und Mütter-Generationen beschrieben.
„Die Gemeinde verdankt sich dem Pietismus“, ist eine seiner Kernaussagen. Die
Wellen der Erweckungsbewegung (1898, 1905/1906, 1922 und nach dem 2.
Weltkrieg), die Zeit unter dem Nationalsozialismus (in der die Denklinger
Gemeinde die Bekennende Kirche unterstützte), die Beherztheit der
Nachkriegszeit und die Ausrichtung der letzten Jahrzehnte formten eine
Gemeinde, die diakonisch tatkräftig ist, leidenschaftlich Gottesdienste feiert
und viele Wege geht, um die Gastfreundschaft Gottes in die Höfe und Häuser zu
tragen.
Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Gemeindegliederzahl durch den Zustrom
der „Ostvertriebenen“ (Flüchtlinge und Vertriebene) erheblich. Die Bibelstunden
in den Höfen wurden aktiviert, sonntägliche Gottesdienste in den Außerorten
Schalenbach, Schemmerhausen und Rölefeld eingerichtet. In den 80er Jahren
wurden die Gottesdienste zentralisiert, in den 90er Jahren die
Außen-Gottesdienste eingestellt – dafür aber wurde das
„Priestertum aller Gläubigen“ intensiviert. Einige Jahre lang erteilten
Ehrenamtliche Konfirmandenunterricht in Hauskreisen. Später fand er in Form
eines sechsmonatigen Kurses für 10jährige und eines sechsmonatigen Kurs für
15jährige statt. Die Albe als „weißer Talar“ wurde eingeführt, die Liturgie
durch Lobpreis-Elemente ergänzt. Neben die Säuglingstaufe trat die
Kindersegnung, das Abendmahl wurde vielgestaltiger: mit Wandelkommunion und
einer Sederfeier am Gründonnerstag, die an die jüdischen Wurzeln des
christlichen Abendmahls erinnert.
Was die einen als Vermengung und Entwertung
deuteten, feierten die anderen als Befreiung und als Aufbruch. Somit ist die
Wechselwirkung zwischen Wertebewusstsein und Gestaltungskraft also nicht nur
eine Frage der Gebäudenutzung und der Inneneinrichtung des Kirchenschiffs. Es
gab und gibt ein leidenschaftliches Ringen um die Stimmigkeit und Reichweite
des missionarischen Auftrags. Kann die Gemeinde als Leib Christi sowohl in der
„Latzhose“ einer Dienstmagd als auch im Hochzeitskleid einer Braut ihrem Auftrag
gerecht werden? Wir meinen: Sie kann.
Gemeinde auf dem Pilgerweg
Sie sehnen sich nach oberbergischer Frischluft?
Schlendern sie weiter, machen Sie einen Spaziergang durch die etwa 30 Höfe der
Gemeinde, vorbei am Versammlungshaus der Evangelischen Gesellschaft in
Brüchermühle und vorbei am Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft in
Schemmerhausen. Unterwegs werden Sie einige Hinweistafeln finden auf den im Mai
2007 wieder eröffneten historischen Pilgerweg, den Jakobsweg, der über Köln und
an den Pyrenäen vorbei ins nordspanische Santiago de Compostela führt und auf
den Elisabethpfad via Marburg nach Thüringen. Die ehemalige „Simultankapelle“
Denklingens und auch die Denklinger Kirche sind eine Station wert auf dem „Oberbergischen
Brüderweg“ – der ja im übertragenen Sinn auch Ihren Pilgerweg bereichern darf.
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Manfred Mielke, Pfarrer
Donnerstag, 5. Mai 2011